Neue Forschung ändert Blick auf den Schutz von Haien. Es reicht nicht, nur sie selbst zu schützen
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Wenn man von Haischutz spricht, denken die meisten Menschen an Fangverbote oder die Einrichtung von Meeresschutzgebieten. Eine neue Untersuchung von Wissenschaftlern der Florida International University zeigt jedoch, dass der Schutz der Haie allein möglicherweise nicht ausreicht. Damit sich ihre Populationen wirklich erholen, muss auch ihre Nahrung geschützt werden.
Die Studie konzentrierte sich auf karibische Riffhaie auf den Bahamas, wo der Haifang seit vielen Jahren verboten ist. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, warum Haie in einigen Gebieten viel häufiger vorkommen als in anderen. Die Ergebnisse waren überraschend eindeutig: Haie bevorzugen Orte mit einer hohen Beutekonzentration. Eine große Menge an Fischen allein reicht jedoch nicht aus. Am meisten werden sie von Orten angezogen, an denen die Nahrung auf einem relativ kleinen Raum konzentriert ist.
Das Forschungsteam setzte insgesamt 631 Unterwasserkameras ein, die an verschiedenen Riffen platziert wurden. Die Kameras verfolgten die Bewegung der Haie und registrierten gleichzeitig die Menge an Fischen, die ihre Nahrung bilden. Nachfolgende Analysen zeigten, dass das Vorkommen von Haien eng mit der Verfügbarkeit von Nahrung zusammenhängt. Haie kehrten regelmäßig in Gebiete zurück, in denen sie effizient jagen konnten, ohne unnötig Energie zu verbrauchen.
Laut Forschungsleiter Alastair Harborn ist dies ein wichtiges Signal für den zukünftigen Schutz mariner Ökosysteme. Wenn nur die Haie selbst geschützt werden, ihre Beute aber weiterhin übermäßig gefischt wird, können die Haipopulationen trotz bestehender Fangverbote niedrig bleiben. Mit anderen Worten: Der Schutz von Spitzenprädatoren muss den Schutz der gesamten Nahrungskette umfassen.
Die Studie zeigte auch, dass karibische Riffhaie oft tiefere Riffe und Gebiete mit steileren Hängen aufsuchen. Diese Standorte bieten ihnen nicht nur ausreichend Nahrung, sondern auch eine sicherere Umgebung und bessere Bedingungen für die Bewegung zwischen verschiedenen Teilen des Riffsystems.
Für Naturschützer ist dies eine wichtige Entdeckung. Bisher konzentrierten sich die meisten Maßnahmen hauptsächlich auf die Begrenzung des Haifangs. Die neue Forschung deutet jedoch darauf hin, dass es ebenso wichtig ist, gesunde Korallenriffe und Populationen kleinerer Fische zu schützen, die die Grundlage der Haidiät bilden. Ohne sie hätten selbst geschützte Haie nicht genug Nahrung zum Überleben.
Diese Forschung erinnert uns an eine wichtige Tatsache: Haie sind nicht nur Bewohner der Ozeane. Sie sind Teil eines komplexen Ökosystems, in dem jeder Fisch und jede Koralle ihre Rolle spielen. Wenn wir Haie schützen wollen, müssen wir den gesamten Ozean schützen.

Autor: Miri Svobodová
Quelle: Florida International University, Zeitschrift Animal Conservation