Riesiger Durchbruch: Zum ersten Mal in der Geschichte wurde ein Koboldhai im Ozean gefilmt
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Bis vor Kurzem war der Koboldhai (Mitsukurina owstoni) eines der geheimnisvollsten Geschöpfe des Ozeans. Diese bizarr aussehende Art, oft als „lebendes Fossil“ bezeichnet, war für Wissenschaftler praktisch unerreichbar – nicht, weil sie extrem selten wäre, sondern weil sie in Tiefen lebt, in die Menschen nur selten vordringen. Sämtliche Erkenntnisse über ihr Leben stammten lange Zeit fast ausschließlich von Exemplaren, die zufällig von Fischern aus der Tiefe gezogen wurden. Diese Haie starben jedoch gewöhnlich kurz nach dem Fang, was jegliche echte Beobachtung ihres natürlichen Verhaltens unmöglich machte.
Dies hat sich nun grundlegend geändert.
Im Jahr 2026 bestätigten Wissenschaftler die allerersten vollständigen Aufnahmen des Koboldhais direkt in seinem natürlichen Lebensraum in der Tiefsee. Diese Entdeckung ist das Ergebnis mehrerer Expeditionen und jahrelanger rückwirkender Datenanalyse von Unterwasserrobotern. Eine der wichtigsten Beobachtungen stammt aus der Region nahe der Jarvis-Insel im zentralen Pazifik, wo der Hai in einer Tiefe von über 1.200 Metern registriert wurde. Weitere wichtige Aufnahmen entstanden im Tonga-Graben, einem der tiefsten Gebiete des Ozeans, wo ein Exemplar in fast zwei Kilometern Tiefe beobachtet wurde.
Gerade dieser zweite Ort hat die Grenzen unseres Wissens erweitert – er bestätigte nicht nur, dass Koboldhaie viel tiefer leben, als bisher angenommen, sondern zeigte auch, dass ihr Vorkommen im Pazifik weiter verbreitet ist.
Das Wesentliche an dieser Entdeckung ist nicht nur die Tatsache, dass diese Art lebendig gefilmt wurde. Zum ersten Mal in der Geschichte konnten Wissenschaftler den Koboldhai in seiner tatsächlichen Umgebung beobachten – ohne den Stress des Fangens, ohne Beschädigung und ohne künstliche Bedingungen. Zuvor wurden alle bestätigten Aufnahmen lebender Individuen erst nach ihrem Fang mit Fischereigeräten gemacht, was unsere Vorstellungen über ihr Verhalten erheblich verzerrte.

Der Koboldhai ist dabei ein evolutionär faszinierendes Geschöpf. Seine Linie reicht 125 Millionen Jahre in die Vergangenheit zurück, und sein Aussehen zeugt davon – ein langgestreckter „Schnabel“, ein weicher Körper und einzigartige ausfahrbare Kiefer, die fast wie eine Schleuder funktionieren. Dank ihnen kann er blitzschnell den Kiefer nach vorne schnellen lassen und Beute selbst in den dunklen Tiefen fangen, wo die Sicht minimal ist.
Neue Aufnahmen deuten zudem darauf hin, dass diese Art wahrscheinlich ein langsamer, energiesparender Räuber ist, der sich ruhig bewegt und eher auf Überraschung als auf Geschwindigkeit setzt. Dies entspricht seiner Anatomie und der Umgebung, in der er lebt – eine Tiefseewelt mit minimalem Licht und begrenzten Nahrungsquellen.
Die gesamte Entdeckung ist ein enormer Schritt für die Meeresbiologie. Sie zeigt, wie wenig wir noch über die Tiefsee-Ökosysteme wissen, die den Großteil unseres Planeten ausmachen. Jede ähnliche Aufzeichnung hilft uns, nicht nur die Haie selbst, sondern auch die Funktionsweise des Ozeans als Ganzes besser zu verstehen.
Und vielleicht die wichtigste Erkenntnis? Koboldhaie gab es Millionen von Jahren – still, verborgen und ohne menschliche Aufmerksamkeit. Erst jetzt haben wir begonnen, sie wirklich kennenzulernen.

Autor: Miri Svobodová
Quelle: The Guardian, ABC News, Oceanographic Magazine, ScienceDaily, Journal of Fish Biology